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Tage des indigenen Films
Indigener Film - aktuelles Jahresfoto

02. - 04.12.2022

Editorial

Vom 2. bis 4. Dezember 2022 finden in Rostock bereits zum 10. Mal die Tage des indigenen Films statt.  Zwischen Freitag und Sonntag werden wir wieder eine Auswahl von acht Filmen und drei Workshops bzw. Vorträgen im li.wu (Lichtspieltheater Wundervoll) in der Frieda23 präsentieren.

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Die Teilnahme an den Workshops ist für alle Interessierten kostenfrei.

Festivaltickets für 25 Euro, die den Eintritt zu allen acht Filmen der Tage des indigenen Films beinhalten, sind im LiWu erhältlich.

Für einzelne Filmvorstellungen gelten die Preise des LiWu:

7,50€ Normalpreis, 6€ ermäßigt und 5€ unter 21 Jahren

Mehr Infos zu Preisen, Anfahrt und dem Kino in der Frieda23 findet ihr auf der Seite des LiWu https://www.liwu.de/infos#preise

Der Zugang zum Kino ist barrierefrei.

Aktuelle Informationen findet ihr neben dieser Website auch auf:

Facebook www.facebook.com/indigenerfilm

Instagram www.instagram.com/indigenerfilm

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Letztes Jahr waren die Filmtage von kurzfristigen Änderungen der Covid-Beschränkungen betroffen. Da die Vorträge und Workshops hybrid angeboten wurden, konnten jedoch auch Interessierte, die nicht zu uns ins Kino kommen konnten, digital daran teilnehmen. Mitschnitte der Vorträge über Indigene Sichtweisen in partizipativen Filmproduktionen von Mark Uriona, zu Artistic epistemologies from the aftermath of colonialism and the question of indigeneity in Southeast Asia von Rosalia Namsai Engchuan und Riar Rizaldi und zur kritischen Diskussion des Begriffs BIPoC von Kiến Nghi Ha sind weiterhin auf unserer Homepage verfügbar.

Auch wenn die Covid-Situation im Dezember nicht vorherzusehen ist, halten wir daran fest, ein Publikumsfestival zu sein, bei dem es zentral ist, sich über indigene Perspektiven im Kino und darüber hinaus auszutauschen und das Programm zu diskutieren.

Das Jahresthema 2022 lautet „Indigene und Urbanität“.

Gängigen stereotypen Vorstellungen zufolge leben Indigene „im Einklang mit der Natur“ in ihren „althergebrachten Gebieten“, auf dem Land oder in Reservaten. Indigene in der Stadt, ihre Herausforderung, dort ein kulturell selbstbestimmtes Leben zu führen und mit Diskriminierungen umzugehen, werden übersehen.

Sowohl selbstbestimmte als auch erzwungene Migration in Städte sind global gesehen ein sich beschleunigendes Phänomen. Zu den Gründen gehören Landraub und Vertreibung, die Verschlechterung der traditionellen Lebensgrundlagen und fehlende wirtschaftliche Alternativen, mangelhafte ländliche Infrastruktur und Auswirkungen des Klimawandels zusammen mit der Aussicht oder Hoffnung auf bessere Arbeitsbedingungen und Bildungschancen in den Städten.

Zudem waren Zwangsumsiedlungen Indigener ein Herrschaftsinstrument des Siedlerkolonialismus, um sich indigene Territorien anzueignen und indigene Gemeinschaften zu zerstören. Teilweise wurden Indigene aus ihren traditionellen Territorien herausgerissen, in der Vorstellung, dass sie sich als Minderheiten in der Stadt in die Mehrheitsgesellschaft assimilieren würden. Nicht zuletzt wurden Städte innerhalb indigener Territorien errichtet oder haben sich in diese ausgedehnt.

Die kulturelle Identität verliert aber für städtisch lebende Indigene keineswegs an Bedeutung. Die indigene Community in der Stadt spielt eine entscheidende Rolle,  Zugehörige mit dem Wesentlichen zu versorgen, Halt und Orientierung zu bieten und Benachteiligung in der Stadtgesellschaft zu begegnen.

Die Ungleichbehandlung von Indigenen beispielsweise auf dem Wohnungs- oder Arbeitsmarkt ist in Städten sehr sichtbar, da Arbeit und Infrastruktur zwar eher als auf dem Land vorhanden sind, für Indigene aber häufig schlechter zugänglich bleiben.

In Kanada lebt die Mehrheit der indigenen Bevölkerung in urbanen Gebieten. Dort betrifft Arbeitslosigkeit in der indigenen Bevölkerung doppelt so viele wie in der nicht-indigenen Bevölkerung. Sie sind häufiger Opfer von Gewalt, erhalten niedrigere Löhne und sind stärker gesundheitlich gefährdet.

Einem vom UN Permanent Forum on Indigenous Issues zitierten Artikel zufolge, zogen  viele Massai in die Hauptstadt Tansanias Dar es Salaam, weil sie ihre Lebensgrundlage auf dem Land verloren haben. 90% der männlichen Massai würden dort als Sicherheitsmänner arbeiten und könnten sich von 40 Dollar Monatslohn selbst das Leben in den Slums am Stadtrand kaum leisten.

Die Vorstellung, dass Indigene nicht in die Stadt gehören, ist ein Ausdruck von rassistischem Denken und hat schwerwiegende Konsequenzen, wie die Aufrechterhaltung struktureller Benachteiligung. „Indigene in Städten werden von der SESAI nicht als Indigene erfasst und gehen damit nicht in die Statistik der Sterberate von Indigenen ein”, führt Juliana Miyazaki von der Nichtregierungsorganisation GfbV aus. Laut dem Dachverband der Indigenen Organisationen Brasiliens sei die Sterberate unter Indigenen im Vergleich zur offiziellen Statistik doppelt so hoch. Ferner versage auch die Indigenen-Schutzbehörde FUNAI „staatliche Unterstützungen für Gesundheitsversorgung, Wohnraum oder Bildung […] wenn diese nicht auf offiziell anerkanntem indigenem Land erbracht werden. Städtische Indigene, aber auch Indigene, welche auf nicht anerkanntem Land leben, werden damit von ihren Rechten ausgeschlossen.”

Die Vorstellung, dass Indigene auf dem Land leben und zurück in ihre Territorien gehen sollten, ist angesichts der Bedingungen in Reservaten und fortgesetztem Landraub und Umweltzerstörung besonders zynisch.

Ein höherer Anteil indigener Stadtbevölkerung führt aber auch vielerorts zu einem höheren sozialen Status, wodurch eine indigene Mittelschicht wächst. Das höhere Einkommen, das in Städten erzielt werden kann, wird häufig eingesetzt, um indigene Communities im ländlichen Raum zu unterstützen. Der Marsch durch die Institutionen kann zu Veränderungen in Behörden und im Bildungssystem führen und dort für mehr Sichtbarkeit und Mitbestimmung sorgen.

In Städten gibt es zudem bessere Voraussetzungen, kollektiven Protest zu organisieren. Was in Städten passiert, erfährt mehr mediale Aufmerksamkeit. Hier leben viele Indigene auf engem Raum, häufig bereits in Netzwerken organisiert und in unmittelbarer Nähe zu den Institutionen politischer und wirtschaftlicher Macht.

2020 haben in Mexiko-Stadt Angehörige der Otomíe und Mazahua Gebäude des Nationalen Instituts für indigene Völker besetzt, um gegen schlechte Wohnbedingungen für Indigene in Mexikos Hauptstadt zu protestieren und erreicht, dass ihnen durch Enteignungen mehr Wohnraum zur Verfügung gestellt wird.

Angehörige der zweiten oder dritten Generation städtischer Indigener haben ihre kulturelle Identität im städtischen Kontext kennengelernt. Sie bringen sie in ihren urbanen Lebensalltag mit ein. Städte sind Orte der Wiederaneignung kultureller Traditionen und der Erschaffung neuer ethnischer Subkulturen. In der jüngeren Vergangenheit gewann in verschiedenen Gesellschaften Rap in indigenen Sprachen an Bedeutung.

Auch in vielen Vorführungen unserer Filmtage wird auf Städte Bezug genommen – auch in jenen Geschichten, die im ländlichen Raum spielen. In ihnen stellen die Städte oftmals Sehnsuchtsorte dar, in denen ein Leben unter besseren materiellen Bedingungen möglich zu sein scheint. Es wird erhofft, in der Anonymität der Stadt aus als einengend empfundenen lokalen Traditionen ausbrechen und sich der Kontrolle durch Familie oder Dorfgemeinschaft entziehen zu können. Gleichzeitig wird dadurch sichtbar, dass es auf dem Land und in den Dörfern häufig besser möglich ist, indigene Traditionen zu leben, indigene Machtstrukturen zu erhalten und indigene Kultur zu fördern und zu verteidigen. Auf lokaler Ebene mag es möglich sein, dass indigene Räte oder Dorfälteste Macht ausüben, während sie auf höherer administrativer Ebene nationaler Bürokratie und Kontrolle unterworfen sind, die in der Regel wenig Rücksicht auf indigene Strukturen nehmen.

Wir wollen dieses Jahr mit unserer Filmauswahl auf indigene Lebensrealitäten in der Stadt aufmerksam machen und uns mit den Auswirkungen das Stadtleben auf kulturelle Identitäten auseinandersetzen. Ein wiederkehrendes Thema ist die Wechselwirkung zwischen städtischer und ländlicher Kultur. Filme, die im ländlichen Raum spielen, reflektieren, wie Städte Bezugspunkte für Indigene im ländlichen Raum sind.

Im Anschluss an die Vorführungen gibt es die Möglichkeit, an einer moderierten Diskussion teilzunehmen und sich auszutauschen.

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The Indigenous Film Days will already take place for the 10th time from 2 to 4 December 2022 in Rostock. Between Friday and Sunday, we will present a selection of eight films and three workshops/lectures in the li.wu motion-picture theatre (Lichtspieltheater Wundervoll) in the FRIEDA 23 centre of arts and media.

Last year, the film days were affected by short-term changes to the Covid restrictions. Since the lectures and workshops were offered in hybrid form, however, interested parties who could not come to our cinema were able to participate digitally as well. Recordings of the lectures about Indigenous perspectives in participatory film productionsby Mark Uriona, about Artistic epistemologies from the aftermath of colonialism and the question of indigeneity in Southeast Asia by Rosalia Namsai Engchuan and Riar Rizaldi and on the Critical discussion of the BIPoC concept by Kiến Nghi Ha are still available on our website.

Even if it cannot be predicted how the Covid situation will be like in December, we remain committed to being an audience festival where it is central to exchange views on indigenous perspectives in the cinema and beyond and to discuss the programme.

The annual theme for 2022 is “Indigenes and Urbanity”.

According to popular stereotypes, indigenes live “in harmony with nature” in their “traditionally established areas”, in the countryside or in reservations. Indigenes in the city as well as their challenge of leading a culturally self-determined life and dealing with discrimination there are overlooked.

Globally speaking, both self-determined and forced migration to cities is an accelerating phenomenon. The reasons include landgrab and displacement, the deterioration of traditional livelihoods and the lack of economic alternatives, inadequate rural infrastructure and impacts of climate change along with the prospect or hope of better working conditions and educational opportunities in the cities.

Moreover, forced relocations of indigenes were an instrument of domination used during the settler colonialism to appropriate indigenous territories and to destroy indigenous communities. To some extent, indigenes were torn out from their traditional territories in the idea that they would assimilate into the majority society as minorities in the city. Last but not least, cities have been built within or expanded into indigenous territories.

However, the cultural identity is not receding in importance in any way for indigenes living in urbanised areas. The indigenous community in the city plays a crucial role in providing its members with the bare essentials as well as support and guidance and in countering any disadvantage in the city society.

Unequal treatment of indigenes, for example in the housing or labour market, is highly visible in cities since, although labour and infrastructure are more present than in the countryside, they often remain less accessible to indigenes.

In Canada, the majority of the indigenous population lives in urban areas. Unemployment in the indigenous population is twice as high there as in the non-indigenous population. They are more frequently victims of violence, earn lower wages and are more exposed to health hazards.

According to an article cited by the UN Permanent Forum on Indigenous Issues, many Maasais moved to Tanzania’s capital Dar es Salaam, because they lost their livelihood in the countryside. 90% of the male Maasai would work as security guards there, and out of a $40 monthly salary, they could barely even afford to live in the outskirts slums.

The notion that indigenes do not belong in the city is an expression of racist thinking and has serious consequences, such as maintaining structural disadvantage. “Indigenes in cities are not registered as indigenes by SESAI and thus not entered in the statistics of the death rate of indigenes,” says Juliana Miyazaki from the STP non-governmental organisation. According to the Brazilian Federation of Indigenous Organizations, the death rate among indigenes is twice as high as recorded in the official statistics. Furthermore, the FUNAI indigenous protection authority, too, fails to provide “state support for health care, housing or education […] if these are not provided on officially recognised indigenous land. Urban indigenes, but also indigenes living on non-recognised land, are thus excluded from their rights.”

The idea that indigenes should live in the countryside and go back into their territories is particularly cynical given the conditions in reserves and the continued landgrab and environmental degradation.

In many places, however, a higher proportion of the indigenous urban population is also leading to a higher social status, resulting in an increasing indigenous middle class. The higher income that can be generated in cities is often used to support indigenous communities in a rural area. The march through the institutions can lead to changes in authorities and in the education system and provide for greater visibility and more codetermination there.

In cities, there are also better conditions for organising collective protest. What happens in cities gets more media attention. Many indigenes here live in a tight space, often already organised in networks and in close proximity to the institutions of political and economic power.

In 2020, members of the Otomíe and Mazahua occupied buildings of the National Institute for Indigenous Peoples in Mexico City to protest against poor housing conditions for indigenes in Mexico’s capital and achieved to be provided with more housing space by expropriations.

Members of the second or third generation of urban indigenes have learned about their cultural identity in the urban context. They also bring them into their everyday urban lives. Cities are places for the reappropriation of cultural traditions and the creation of new ethnic subcultures. In the recent past, rap in indigenous languages has become increasingly important in various societies.

Reference is made to cities in many screenings of our film days as well, even in those stories that play in a rural area. In these, cities often represent places of longing in which a life under better material conditions seems to be possible. It is hoped that the anonymity of the city will allow to break out of local traditions perceived as constricting and to escape the control exercised by the family or village community. At the same time, it becomes visible that it is often better possible in the countryside and villages to live indigenous traditions, to preserve indigenous power structures and to promote and defend indigenous culture. At local level, indigenous councils or village elders may exercise power, while at higher administrative level, they are subject to national bureaucracy and control, which usually have little regard for indigenous structures.

This year’s aim of our selection of films is to draw attention to indigenous life realities in the city and to deal with the effects of city life on cultural identities. A recurring theme is the interaction between urban and rural culture. Films playing in a rural area reflect how cities serve as reference points for indigenes in a rural area.

Following the screenings, it will be possible to participate in a moderated discussion and to exchange views.

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Del 2 al 4 de diciembre de 2022, se celebrará en Rostock la que es ya la 10ª edición de las Jornadas del Cine Indígena.  Entre el viernes y el domingo presentaremos una selección de ocho películas y tres talleres o conferencias en el li.wu (Lichtspieltheater Wundervoll) del Frieda23.

El año pasado, estas jornadas cinematográficas se vieron afectadas por cambios a corto plazo en las restricciones anticovid. No obstante, puesto que las conferencias y talleres se ofrecieron de forma híbrida, también pudieron participar en ellos digitalmente las personas interesadas que no podían venir al cine. En nuestro sitio web pueden encontrarse aún fragmentos de las conferencias de Perspectivas indígenas en las producciones cinematográficas participativas de Mark Uriona, de Artistic epistemologies from the aftermath of colonialism and the question of indigeneity in Southeast Asia de Rosalia Namsai Engchuan y Riar Rizaldi y de Discusión crítica del término BIPoC de Kiến Nghi Ha.

Si bien no puede preverse la situación de la COVID en diciembre, seguimos siendo un festival con público en el que un aspecto fundamental es intercambiar opiniones sobre las perspectivas indígenas en el cine y más allá y debatir el programa.

El tema del año 2022 es «Indígenas y urbanización». 

Si hacemos caso a los estereotipos convencionales, los indígenas viven «en armonía con la naturaleza» en sus «territorios ancestrales», en el campo o en reservas. Se pasa por alto a los indígenas de la ciudad y su reto de llevar una vida culturalmente autónoma y de enfrentarse a la discriminación en ella.

Desde el punto de vista global, tanto las migraciones voluntarias como forzosas a las ciudades son fenómenos que se están acelerando. Algunos de los motivos son la apropiación de tierras y la expulsión, el empeoramiento de los medios de vida tradicionales y la falta de alternativas económicas, los defectos de las infraestructuras rurales y las consecuencias del cambio climático, junto con las perspectivas o esperanzas de unas mejores condiciones laborales y oportunidades de formación en las ciudades.

Además, el desplazamiento forzoso de indígenas fue un instrumento de dominación del colonialismo para que los colonos se apropiaran de territorios indígenas y destruyeran las comunidades indígenas. En parte se expulsó a los indígenas de sus territorios tradicionales con la idea de que se asimilaran como minorías urbanas en la sociedad mayoritaria. Por último, pero no menos importante, es posible que las ciudades se construyeran dentro de los territorios indígenas o bien se expandieran a estos.

No obstante, la identidad cultural no está perdiendo importancia de ningún modo para los indígenas que viven en ciudades. La comunidad indígena de la ciudad desempeña un papel decisivo a la hora de proporcionar lo esencial a sus miembros, ofrecer apoyo y orientación y combatir la discriminación en la sociedad urbana.

El trato desigual a los indígenas, por ejemplo, en el mercado laboral o de las viviendas, resulta muy visible en las ciudades, ya que el trabajo y la infraestructura están más presentes que en el campo, si bien con frecuencia siguen siendo menos accesibles para los indígenas.

En Canadá, la mayoría de la población indígena vive en áreas urbanas. En ellas, el desempleo entre la población indígena es del doble que entre la población no indígena. A menudo sufren violencia, perciben salarios más bajos y presentan mayores riesgos de daños en su salud.

Según un artículo citado por el Foro Permanente sobre Asuntos Indígenas de la ONU, muchos masái se trasladaron a la capital de Tanzania, Dar es Salaam, por haber perdido sus medios de vida en el campo. Allí, el 90% de los hombres masái trabajaría como personal de seguridad y apenas podría permitirse vivir siquiera en los suburbios marginales, con un sueldo de 40 dólares al mes.

La idea de que la ciudad no es lugar para los indígenas es una expresión racista y tiene consecuencias graves, como la perpetuación de la discriminación estructural. «Los indígenas urbanos no están catalogados como indígenas por el SESAI y, por tanto, no se incluyen en las estadísticas de las tasas de mortalidad de los indígenas», explica Juliana Miyazaki, de la organización no gubernamental GfbV. Según la Confederación de Organizaciones Indígenas de Brasil, la tasa de mortalidad entre indígenas sería del doble en comparación con las estadísticas oficiales. Además, el FUNAI, el organismo de protección de los indígenas, también negaría «el apoyo estatal a la atención sanitaria, la vivienda o la educación […] si no se presta en un territorio reconocido oficialmente como indígena. De este modo, los indígenas urbanos, y también los indígenas que viven en tierras no reconocidas, quedan excluidos de sus derechos». 

La idea de que los indígenas deben vivir en el campo y volver a sus territorios es especialmente cínica teniendo en cuenta las condiciones de las reservas y la continuación de la apropiación de tierras y la degradación del medio ambiente.

Una mayor proporción de la población urbana indígena, no obstante, adquiere en muchos lugares un estatus social más alto, por lo que crece una clase media indígena. Los mayores ingresos que se pueden obtener en las ciudades a menudo se emplean para apoyar a las comunidades indígenas en las zonas rurales. La marcha a través de las instituciones puede dar lugar a cambios en las autoridades y en el sistema educativo y a generar una mayor visibilidad y participación en ellos.  

En las ciudades, además, hay mejores condiciones para organizar protestas colectivas. Lo que pasa en las ciudades obtiene un mayor eco en los medios. En ellas, muchos indígenas viven en espacios reducidos, a menudo ya organizados en redes y muy cerca de las instituciones del poder político y económico.

En 2020, miembros de los pueblos otomí y mazahua ocuparon el edificio del Instituto Nacional de Pueblos Indígenas de la Ciudad de México para protestar por las malas condiciones de vivienda de los indígenas en la capital mexicana y lograron que se les proporcionara un mayor espacio de vivienda mediante expropiaciones.

Los miembros de la segunda o tercera generación de indígenas en las ciudades han conocido su identidad cultural en el contexto urbano. La integran en su día a día en la ciudad. Las ciudades son lugares para la reapropiación de las tradiciones culturales y la creación de nuevas subculturas étnicas. En el pasado reciente, el rap en lenguas indígenas adquirió importancia en diferentes sociedades. 

También en muchas de las proyecciones de nuestras jornadas cinematográficas se hace referencia a las ciudades, incluso en las historias ambientadas en el entorno rural. En ellas, a menudo las ciudades son lugares idealizados en los que parece posible vivir con mejores condiciones materiales. En el anonimato de la ciudad, se espera romper las tradiciones locales percibidas como opresivas y poder escapar del control de la familia o de la comunidad rural. Al mismo tiempo, queda claro que, con frecuencia, en el campo y en los pueblos es más fácil vivir las tradiciones indígenas, mantener las estructuras de poder indígenas y promover y defender la cultura indígena. A nivel local, puede que sea posible que los consejos indígenas o los ancianos de las aldeas ejerzan el poder, mientras que, a un nivel administrativo superior, están sujetos a la burocracia y el control nacionales, que normalmente tienen muy poco en cuenta las estructuras indígenas.

Con nuestra selección de películas, este año queremos destacar las realidades de la vida indígena en la ciudad y realizar una confrontación con las consecuencias de la vida urbana en las identidades culturales. Un tema recurrente es la interacción entre la cultura urbana y la rural. Las películas ambientadas en el medio rural reflejan cómo las ciudades son puntos de referencia para los indígenas en este.  

Tras las presentaciones, se tendrá la posibilidad de participar en un debate moderado e intercambiar opiniones.

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Programm der Filmtage

2022

Freitag02.Dez2022
16:00 Uhr
VORTRAG
Workshop I – Indigene Selbstbestimmung und Urbanität
Llanquiray Painemal ist Mapuche mit einem chilenischen Pass und lebt in Berlin. In ihrer Jugend ist sie in einer mapuche comunidad (Gemeinde) aufgewachsen und sozialisiert worden. Sie war sehr früh politisch aktiv und trat für das Recht auf Selbstbestimmung der Mapuche und gegen Rassismus ein.
Referent: Llanquiray Painemal
Moderator: Martin Kopplin
Llanquiray Painemal ist Mapuche mit einem chilenischen Pass und lebt in Berlin. In ihrer Jugend ist sie in einer mapuche comunidad (Gemeinde) aufgewachsen und sozialisiert worden. Sie war sehr früh politisch aktiv und trat für das Recht auf Selbstbestimmung der Mapuche und gegen Rassismus ein. In Berlin hat sie das Kollektiv Mawvn initiiert, eine Gruppe, die für die Situation der Mapuche im heutigen Chile und Argentinien sensibilisiert und aktiv ist. Die Vernetzung mit anderen indigenen Völkern der Welt ist ein wichtiger Teil ihres Aktivismus. Vor allem geht es uns um die Sichtbarmachung und Solidarität mit indigenen Organisationen und Bewegungen, die ihre Territorien gegen extraktivistische Projekte verteidigen. In ihrer Präsentation wird sie kurz auf die Geschichte des Mapuche Volkes eingehen, insbesondere auf die Bedeutung des Kolonialismus und die Folgen für die heutige Zeit. Vor allem das Narrativ, das über sie existiert, und welche Rolle es in der heutigen dominanten Gesellschaft spielt. Sie wird auch darüber sprechen, was es bedeutet, Mapuche in der Stadt zu sein und mit welchen Problemen sie konfrontiert sind.
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Achtung! Eintritt frei
18:00 Uhr
EATNAMEAMET – Our Silent Struggle
Regie: Suvi West
2021 Finnland 74min OmeU
Indigene Gesellschaften kämpfen auch in Europa gegen die Zerstörung ihrer Siedlungsgebiete durch Bergbaukonzerne, gegen die Behinderung ihrer selbst gewählten Lebensweise und für politische Teilnahme. Die Sámi wurden genötigt, sich in die jeweiligen Kulturen der Nationalstaaten zu assimilieren, in die ihr Land aufgeteilt wurde: Norwegen, Schweden, Finnland und Russland. Auch wenn die Sámi von den Staaten mittlerweile als ethnische Minderheit anerkannt werden, müssen sie weiter um Selbstbestimmung kämpfen. Die Dokumentation EATNAMEAMET – Our Silent Struggle begleitet junge Sámi in Finnland, die sich für Selbstbestimmung und politische Autonomie einsetzen. Sie tragen intergenerationelle Traumata in sich und sind damit aufgewachsen, gegen einen Staat misstrauisch zu sein, der ihr Volk auch heute noch ungleich behandelt. Ida-Maria Helander, die Vorsitzende der finnischen Sámi-Jugendorganisation, vertritt ihre Gemeinschaft vor den Vereinten Nationen in New York. Sie prangert dort die Eingriffe des finnischen Staates in die Gebiete der Sámi an. Eingriffe, die den Zuschauer*innen vor Augen geführt werden: Nickel- und Goldminen reißen Löcher in die Taiga Nordfinnlands, das geplante Infrastrukturprojekt „Arctic Railway“ wird die Rentierzucht erschweren und riesige Schneisen in den Wald schlagen. Proteste formieren sich – im Wald wie im Abgeordnetenhaus. Doch die ehemalige Präsidentin des Sami-Parlaments, Tiina Sanila-Aikio, muss zusehen, wie Sámi in ihrer eigenen Vertretung zunehmend an Einfluss verlieren. Die Filmemacherin Suvi West beschäftigt sich in ihren Filmen damit, wie junge Sámi ihre ethnische Identität behaupten. Sie versteht ihre Dokumentation daher als Hilfeschrei und Aufklärungskampagne. Der Film richtet sich insbesondere an Zuschauer*innen innerhalb und außerhalb Finnlands, denen die Kämpfe der Sámi noch nicht bekannt sind.
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20:00 Uhr
THE EMPLOYER AND THE EMPLOYEE
Regie: Manuel Nieto Zas
2021 Uruguay 107min OmeU
Rodrigo ist der Sohn eines Großgrundbesitzers im Grenzgebiet zwischen Uruguay und Brasilien. Die Ländereien der Familie werfen nicht mehr so viel ab wie früher und es ist schwierig geworden, Angestellte für die harte Landarbeit zu gewinnen. Rodrigo stellt den unerfahrenen Carlos ein, dessen Vater bereits auf der Farm gearbeitet hat. Beide Männer sind junge Familienväter und müssen sich in dieser neuen Rolle zurechtfinden. Sie können sich eine Zeit lang helfen, ihre jeweiligen Bedürfnisse zu stillen und zwischen ihnen keimt eine Art Freundschaft auf. Doch nach einem tödlichen Unfall verändert sich ihre Beziehung. Der soziale und ökonomische Graben, der ihre Familien trennt, macht eine aufrichtige Solidarität zwischen ihnen unmöglich. Der Film erzählt auch die Geschichte zweier Protagonisten, die versuchen, in ihrem jeweiligen sozialen Milieu dem vorherrschenden Männlichkeitsbild zu entsprechen und zweier Frauen, die gerade deshalb einen eigenen Weg finden müssen, mit ihren Sorgen umzugehen. Nach der Wirtschaftskrise, die 2002 Argentinien und Uruguay erschüttert hat, mussten viele landwirtschaftliche Betriebe schließen. Die Konzentration auf wenige Großbetriebe nahm zu, wodurch viele Landarbeiter*innen ihre Jobs verloren und in die Städte migrierten. Sie werden seitdem saisonweise auf den Ländereien eingesetzt. Sie müssen mit ihrer gewohnten Lebensweise brechen und sind von ihren Schicksalgenoss*innen isoliert. Die Farmer wiederum nehmen die Ausbeutung ihrer Angestellten in Kauf, um ihr Unternehmen rentabel zu halten und romantisieren die Lebensweise auf dem Land. Pferde stehen im ländlichen Uruguay für beide Seiten als Symbol der Unabhängigkeit und der Verbindung mit der Natur. Bilder, auf die der Regisseur Manolo Nieto zurückgreift, wenn die Protagonisten in seinem Film ihre Lebensfragen auf den Rücken von Pferden aushandeln. Mit Gespür für emotionale Feinheiten und in unaufgeregtem Tempo arbeitet Manolo Nieto Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen Denjenigen heraus, die sich auf den Farmen begegnen. Die Kamera setzt die Weite des ländlichen Uruguays, seine Farmen und Landschaften in Szene.
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22:00 Uhr
EL GRAN MOVIMIENTO
Regie: Kiro Russo
2021 Bolivien 85min OmeU
Der Minenarbeiter Elder erreicht mit seinen Freunden nach einem strapaziösen Marsch die bolivianische Hauptstadt La Paz, um sich dort dem Streik der Bergleute für bessere Arbeitsbedingungen anzuschließen. Da sie ihre Stellen bereits verloren haben und der Weg zurück keine Perspektiven bietet, stranden sie in der Stadt und werden von ihr verschluckt. Elder wird durch eine mysteriöse Krankheit heimgesucht. Seine vermeintliche Verwandte Mama Pancha besorgt den Männern Knochenjobs auf dem Markt, doch Elder driftet immer weiter in eine Welt der Fieberträume ab. Der eremitische Eigenbrötler Max, selbst geplagt von düsteren Visionen, nimmt sich Elders Heilung an. So verbindet er das Diesseitige mit dem Jenseitigen, was in Elder und vielleicht auch in ganz La Paz aus den Fugen geraten scheint. La Paz ist die eigentliche Protagonistin, der sich die Zuschauer*innen Schicht für Schicht annähern. Erst von außen mit der Perspektive aus der Seilbahn, die das höher gelegene El Alto mit dem unüberschaubaren Moloch der Stadt verbindet, sich dann immer tiefer in die Gassen, die Beziehungen und schließlich ins Innenleben der Bewohner*innen begebend. Der materielle Notstand der Arbeiter wird steht einem spirituellen Notstand gegenüber, so bedarf es zur Heilung neben den Arbeitskämpfen die Perspektiven der Außenseiter, von denen man nicht weiß, ob sie Schamanen oder Scharlatane sind. Laut dem bolivianischen Filmemacher Kiro Russo ist La Paz die am wenigsten westliche Hauptstadt Südamerikas. In EL GRAN MOVIMIENTO illustriert er die Gleichzeitigkeit von kolonialer Kontinuität, sozialem Aufbruch, Vorstellungen von Modernität, Popkultur und indigenen Traditionen, die auf die Charaktere in der Stadt einwirken und von ihnen verkörpert werden. Das bildgewaltige, auf 16mm-Film gedrehte Werk bleibt rätselhaft und düster, während er Dokumentarisches mit dem Phantastischen vermischt.
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Samstag03.Dez2022
16:00 Uhr
VORTRAG
Workshop II: Movements and Moments: Indigene Feminismen
In den letzten Jahren hat der Feminismus eine bemerkenswerte Karriere hingelegt. Nachdem er früher als unzeitgemäß, verkniffen und uncool galt, wollen heute alle dabei sein. Toll! Aber er hat ein Problem: Meist finden hauptsächlich westliche, weiße und privilegierte Aktivist*innen in der Öffentlichkeit mit ihren Themen Gehör.
Referent: Sonja Eismann (Hrsg.) und (digital) die Künstlerinnen Citlalli Andrango und Cecilia Larrea
Moderator: ohne
In den letzten Jahren hat der Feminismus eine bemerkenswerte Karriere hingelegt. Nachdem er früher als unzeitgemäß, verkniffen und uncool galt, wollen heute alle dabei sein. Toll! Aber er hat ein Problem: Meist finden hauptsächlich westliche, weiße und privilegierte Aktivist*innen in der Öffentlichkeit mit ihren Themen Gehör. Dabei sind es vor allem BIPoC und speziell indigene Feminist*innen, die seit Jahren und Jahrhunderten für Anliegen kämpfen, deren Dringlichkeit uns allen immer stärker bewusst wird. Angesichts der Klimakatastrophe und der andauernden Ausbeutung von Mensch und Natur weisen indigene, feministische Wissensformen einen möglichen Weg in eine gerechtere Zukunft. In zehn Comic-Storys, die vom Goethe-Institut Indonesien 2020 nach einem internationalen Call gemeinsam mit einer Fach-Jury ausgewählt wurden, werden Aktivist*innen aus zehn Ländern des Globalen Südens von Chile über Peru, Ecuador, Bolivien, Brasilien, Thailand, Vietnam, Nepal und Indien bis zu den Philippinen vorgestellt. Die Künstler*innen, die großteils in Teams und unter der fachkundigen Anleitung ihrer Mentorinnen Nacha Vollenweider und Amruta Patil gearbeitet haben, stellen dabei so diverse Bewegungen vor wie die der anarchistischen Chola-Gewerkschafterinnen im Peru der 1920er, den brasilianischen Kampf für die Rechte indigener LGBTQIA+-Personen von den Anfängen der Kolonialisierung bis heute oder die Pflege bedrohter musikalischer Traditionen im vietnamesischen Hochland. In allen Geschichten spielen Themen wie der Kampf gegen die Zerstörung der Natur, z.B. durch die Errichtung von Wasserkraftwerken, für Bildung und für die Rechte aller sexueller und geschlechtlicher Identitäten eine zentrale Rolle. Die Vielfalt der zeichnerischen und erzählerischen Stile bilden die Vielfalt der verschiedenen Aktivismen perfekt ab – und sorgen beim Lesen und Entdecken für große Freude.
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Achtung! Eintritt frei
18:00 Uhr
ANGRY INUK
Regie: Alethea Arnaquq-Baril
2016 Kanada 85min OmeU
Der Protest gegen die Robbenjagd ist eine der erfolgreichsten Kampagnen von Tierschutzorganisationen wie Greenpeace und Sea Shepherd. Bereits seit den 1970er Jahren zeichnen sie ein Bild von blutrünstigen Jägern, die wehrlose Robbenbabys abschlachten, um sich an ihren Pelzen zu bereichern. Durch die Unterstützung von Prominenten wie Paul McCartney und Pamela Anderson wurde das Tragen von Robbenfell auch in Europa zum Tabu. 2009 hat das Europäische Parlament die Einfuhr von Robbenfellen in die EU verboten, woraufhin der Weltmarkt für die Produkte zusammenbrach. Mit der Robbenjagd konnte kein Geld mehr verdient werden. Ein großer Teil der Robbenjäger sind Inuit. Mit dem Fleisch versorgen sie ihre Gemeinschaften mit Nahrung und die Felle sind ihr einziger Zugang zum globalen Wirtschaftskreislauf. Ohne diese Einkommensquelle lässt sich die Jagd nicht refinanzieren. Das entzieht nicht nur den Jägern ihre Lebensgrundlage, es verunmöglicht auch ihre Aufgabe, die Umwelt ihres Landes zu schützen, während die Öl- und Bergbauindustrie in ihren Lebensraum vordringt. Die Dokumentation begleitet Jäger dabei, wie sie Tiere erlegen, verarbeiten und das Fleisch in ihrer Gemeinschaft verteilen. Sie zeigt, wie das Geschäft der Tierschutzorganisationen mit dem Thema Robbenjagd funktioniert und entkräftet die Vorurteile gegenüber den Jägern, die durch ihre Kampagnen verbreitet wurden. Die Filmemacherin Alethea Arnaquq-Baril schließt sich einer Gruppe junger Inuit-Aktivist*innen an, die sich gegen die Vorurteile über die Robbenjagd zur Wehr setzen. Sie versuchen die Tierschutzorganisationen und die politischen Entscheidungsträger*innen zu konfrontieren, die sich nie für die Auswirkungen ihrer Kampagnen auf die Inuit interessiert haben. Unter den Inuit im kanadischen Nunavut Territory, die es laut Arnaquq-Baril wertschätzen, wenn Konflikte ruhig und besonnen gelöst werden, wird Wut zur produktiven Kraft, um für Selbstbestimmung zu kämpfen.
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20:00 Uhr
BEANS
Regie: Tracey Deer
2020 Kanada 91min OmeU
Die 12-jährige Tekehentahkhwa, mit dem Spitznamen Beans, wächst in einem Mohawk-Reservat in der Nähe von Montréal auf und bereitet sich auf die Aufnahmeprüfung einer angesehenen Schule vor. In der Nachbargemeinde wehrt sich die Mohawk-Community gegen die Pläne, einen Golfplatz auf dem Friedhof ihrer Gemeinschaft zu bauen. Beans und ihre Familie schließen sich den Protesten an. Als der Konflikt eskaliert, wird Beans mit der Realität als heranwachsende Indigene konfrontiert. Die weißen Bewohner*innen der Nachbargemeinden richten sich gegen sie, die Polizei weigert sich, ihre Gemeinschaft zu schützen und in den kanadischen Medien verunglimpfen Politiker den Protest als Terrorismus. Beans muss lernen, mit dem gesellschaftlichen Hass gegen sie und ihrer aufkeimenden Wut umzugehen. Sie hängt sich an den Freundeskreis der älteren April. Auch um in dem Kreis der Jugendlichen zu bestehen, muss sie sich ein dickes Fell zulegen. Beans stellt sich den Herausforderungen des Erwachsenwerdens, während um sie herum ihre Mohawk-Gemeinschaft ihre Selbstbestimmung behauptet. Der Film behandelt die Oka-Krise von 1990, die bereits letztes Jahr mit Alanis Obomsawins Dokumentation Kanehsatake: 270 Years of Resistance Gegenstand der Tage des Indigenen Films war. Archivmaterial aus Obomsawins Dokumentation wird in BEANS integriert, um die Stimmung der Zeit und den politischen Kontext aufzugreifen. Die Filmemacherin Tracey Deer will mit BEANS zeigen, welche Auswirkungen es für die Mohawk bis heute hat, im Fadenkreuz von Wut und Hass ihrer weißen Mitmenschen und des Staates gestanden zu haben. Tracey Deer war selbst als junges Mädchen an den Protesten beteiligt und bringt viele ihrer eigenen Erfahrungen mit dem Schicksal der Protagonistin auf die Leinwand. Mit der Coming-of-Age Geschichte richtet sich Deer auch an ein jugendliches Publikum.
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22:00 Uhr
A NIGHT OF KNOWING NOTHING
Regie: Payal Kapadia
2021 Indien / Frankreich 96min OmeU
In der staatlichen Filmhochschule von Mumbai wird eine Kiste mit Briefen gefunden. Die Filmstudentin L. schreibt ihrer Liebe K. von ihrer Sehnsucht, ihrer Hoffnung und ihrer Verzweiflung. L. und K. gehören verschiedene Kasten an und ihre Beziehung wird von weiten Teilen der Gesellschaft nicht akzeptiert. Die Hochschule ist eine Nische für die Studierenden, in der sie persönliche Freiheiten, politische Visionen und Solidarität untereinander zelebrieren. Sie entwickeln hier eine Sprache, mit der sie festhalten können, was um sie herum und in ihnen passiert. Doch die Gesellschaft, in der sie leben, verändert sich. Seit 2014 wird Indien von Narendra Modi und seiner Partei BJP regiert. Unter dem ethnonationalistischen Hindu-Regime verstärkt sich die feindselige Stimmung gegen Muslime, werden Frauenrechte beschnitten und das Kastensystem erstarkt. L. erzählt in ihren Briefen von Streiks und Demonstrationen, die sich gegen die Diskriminierung von Muslimen durch Reformen im Staatsbürgerschaftsrecht richten, vom Protest gegen die Erhöhung der Studiengebühren und von der Verzweiflung einer jungen Frau, die nicht selbst bestimmen darf, wen sie liebt. Die Studierenden setzen sich mit ihrer Verantwortung als Angehörige der Staatlichen Filmschule auseinander und fragen sich, wie sie mit ihrem Zugang zu den Mitteln der Kunst und des Dokumentierens einen Unterschied machen können. Sie weigern sich, mit dem Tanzen und Träumen aufzuhören, während versucht wird, ihre Stimmen mit einer Welle der Gewalt zum Schweigen zu bringen. In einer Collage aus dokumentarischen Protestaufnahmen, ekstatischen Tanzszenen, Zeitungsausschnitten, handgeschriebenen Skizzen und Überwachungskamera-Sequenzen vermischen sich träumerische Fiktion und das Abbild realer Gewalt. A NIGHT OF KNOWING NOTHING ist ein Essay-Film, dessen monochrome 16mm-Bilder mit fesselnder Musik unterlegt sind. Er ist das Langfilmdebut der Regisseurin Payal Kapadia, die selbst im staatlichen Film- und Fernsehinstitut in Pune ausgebildet wurde. Mit dem Film gewann sie 2021 den Dokumentarfilmpreis der Filmfestspiele in Cannes.
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Sonntag04.Dez2022
13:00 Uhr
VORTRAG
Workshop III: Postkolonialer Stadtrundgang durch Rostock
Gestaltet wird der Rundgang von Soziale Bildung e.V. in Kooperation mit der Initiative Rostock Postkolonial.
Referent: Rostock Postkolonial
Moderator: ohne
Startpunkt vor der FRIEDA 23 Kolonialismus und indigene Ausbeutung spiegeln sich auch in der Rostocker Geschichte wider. Insbesondere gilt dies für human remains, die sich noch immer im Bestand öffentlicher Institutionen befinden. Der Rundgang möchte ein Bewusstsein für unterschiedliche Perspektiven schaffen und auf Verflechtungen der kolonialen Vergangenheit zur Gegenwart aufmerksam machen. Dabei geht es stets um das Sichtbarmachen globaler Zusammenhänge. Er möchte versuchen die schwere Tragweite begreifbar zu machen, die für Kolonisierte während dieser Epoche entstand und durch manifestierte Machtstrukturen auch heute noch besteht. Gestaltet wird der Rundgang von Soziale Bildung e.V. in Kooperation mit der Initiative Rostock Postkolonial. Anmeldungen sind möglich unter: globaleslernen@soziale-bildung.org
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Startpunkt vor der FRIEDA 23
Achtung! Eintritt frei
18:00 Uhr
CHILDREN OF THE MIST
Regie: Ha Le Diem
2021 Vietnam 92min OmeU
Di ist ein 12-jähriges Mädchen, als die Filmemacherin Ha Le Diem beginnt, ihr Leben für die nächsten 3 Jahre zu begleiten. Di lebt in der abgelegenen Bergregion Nordvietnams unweit der chinesischen Grenze und bestellt dort mit ihrer Familie Reisfelder. Sie ist eine Angehörige der ethnischen Minderheit der Hmong, bei der es nicht unüblich ist, Mädchen und Jungen jung zu verheiraten. Die Mädchen sind von sogenanntem Brautraub bedroht. Jungen können die Mädchen, die sie heiraten wollen, zu ihrer Familie verschleppen. Die Mädchen müssen von dort wieder fliehen, um sich der Hochzeit zu entziehen. Häufig haben sie nicht die Gelegenheit dazu. Es kommt zu sexueller Gewalt, manche werden über die chinesische Grenze entführt und dort an heiratswillige Männer verkauft. Die Tradition des sogenannten Brautraubs ist in Vietnam verboten. Staatliche Programme versuchen die Hmong in die vietnamesische Mehrheitsgesellschaft zu assimilieren. In der Schule wird an die Mädchen appelliert, einer frühen Ehe nicht zuzustimmen. Doch die Hmong-Familien sind skeptisch gegenüber der Einmischung des Staates. Sie stehen unter einem enormen wirtschaftlichen Druck und wirken daher oftmals selbst auf die frühe Hochzeit ihrer Töchter hin. Die Filmemacherin Ha Le Diem gehört selbst der ethnischen Minderheit der Tay an und wuchs im Nordosten Vietnams auf. Als in ihrer Jugend Freundinnen von ihr früh verheiratet wurden, empfand sie dies als das Ende ihrer Kindheit. Als junge Filmemacherin kam sie in Kontakt mit jungen Hmong Mädchen und lernte dabei Di kennen, woraufhin sie beschloss, das Thema ihrer eigenen Vergangenheit filmisch zu bearbeiten. Zwischen Ha Le Diem und Li entwickelt sich eine innige Freundschaft, wodurch es der Filmemacherin gelingt, Lis Gedanken zu Liebe und Sexualität einzufangen und zu zeigen, wie sie mit der Bedrohung in der patriarchalen Gesellschaft umgeht. Di muss unter großem Druck Entscheidungen treffen, deren Tragweite sie kaum abschätzen kann. Die Anwesenheit der Filmemacherin verändert die Situation in Lis Zuhause. Manchmal schützt die Kamera Li vor ihren unberechenbaren Eltern und erschwert Übergriffe durch die Familie, die um Li wirbt. Doch mit dem steigenden Vertrauen der Beteiligten gegenüber der Filmemacherin verliert ihre Präsenz diesen schützenden Einfluss und sie muss sich der Frage stellen, wann eine Dokumentarfilmerin in das Geschehen eingreifen muss, dass sie festhalten will.
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20:00 Uhr
SARRAOUNIA
Regie: Med Hondo
1987 Mauretanien / Burkina Faso / Frankreich 120min OmeU
Lougou, im heutigen Niger, ist Sitz der Sarraounia, weltliche Herrscherin und spirituelles Oberhaupt der Azna. Am Ende des 19. Jahrhunderts ist die in den Künsten des Krieges und der Magie ausgebildete Anführerin aufgefordert, die Unabhängigkeit ihres Volkes zu verteidigen. Denn es nähert sich der Trupp der französischen Generäle Voulet und Chanoine. Nach der 1884 von Reichskanzler Otto von Bismarck einberufenen Kongokonferenz in Berlin wurden sie entsandt, um im sogenannten „Wettlauf um Afrika“ einen möglichst großen Teil Westafrikas im Namen Frankreichs zu erobern. Sie hinterlassen eine Spur der Verwüstung und ermorden, wer sich ihnen in den Weg stellt. Rund um Sarraounias Reich haben sich die meisten Völker bereits unterworfen, kollaborieren oder schrecken vor dem Kampf zurück. Sarraounia stellt sich den kolonialen Großmachtfantasien entgegen und avanciert zum Symbol afrikanischen Widerstands gegen die europäische Eroberung. Der 2019 verstorbene Regisseur Med Hondo verfilmte den gleichnamigen Roman seines Freundes, dem nigrischen Schriftstellers Abdoulaye Mamani, der auch das Drehbuch mit verfasste. Die Geschichte basiert auf historischen Begebenheiten. 1899 wurde der Palast der siebten Sarraounia Mangou in der Schlacht um Lougou zerstört. Die Realisierung von Filmprojekten, die den Widerstand gegen den Kolonialismus auf dem afrikanischen Kontinent thematisierten, gestalteten sich als besonders schwierig, da das Filmschaffen auf dem Kontinent meist in politischer und wirtschaftlicher Abhängigkeit von den ehemaligen Kolonialmächten stand. Auch Hondos Projekt stieß auf zahlreiche Widerstände. Der Film sollte an den Originalschauplätzen in Lougou gedreht werden, was die nigrische Regierung in allerletzter Minute verhinderte, womöglich um das Verhältnis zu Frankreich nicht zu belasten. Hondo konnte die persönliche Unterstützung von Thomas Sankara, dem damaligen Präsidenten von Burkina Faso, gewinnen. Mit der Förderung aus Burkina Faso konnte die Produktion realisiert werden. Der französische Verleiher brachte den Film anders als vereinbart gerade mal in fünf französische Kinos und nahm den Film nach zwei Wochen aus dem Programm. Dies zog folgenlose Proteste und den Vorwurf der Zensur nach sich. Der kommerzielle Misserfolg bedeutete den persönlichen Bankrott des Filmemachers. SARRAOUNIA wird seitdem vor allem als Klassiker des Antikolonialen Films auf Festivals gezeigt. Der Film bietet eine Gegenerzählung der Kolonialgeschichte und eine politische Utopie. Hondos Sarraounia ist eine Herrscherin, die über Bevölkerungsgruppen und religiöse Grenzen hinweg Einigkeit im Widerstand gegen die Kolonisatoren schafft. Hondo besetzte den Film eigenen Angaben nach mit einer Crew aus möglichst vielen verschiedenen Gegenden Afrikas. Sarraounia bedeutet Herrscherin auf Hausa. Die amtierende Sarraounia, Nachfolgerin der historischen Königin, die keine weltliche Macht mehr besitzt und in einem bescheidenen Haus in Lougou residiert, beriet Hondo beim Nachbau des Königspalastes in Burkina Faso.
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